Mit Dudelsäcken, Gitarren, Geigen, Akkordeons und vielem mehr bringen 40 junge Musikerinnen und Musiker zwischen 12 und 27 Jahren aus ganz Deutschland einen gewaltigen Sound auf die Bühne. Unter der Leitung von Gudrun Walther, Sabrina Palm, Jürgen Treyz und Alex Froitzheim präsentieren sie ein spannendes Programm aus Liedern und Tanzmusik aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – von mitreißenden Tanzmelodien aus Franken bis hin zu Auswandererliedern aus der Eifel des 19. Jahrhunderts ist alles dabei. Das Projekt zeigt, wie viele junge Menschen Begeisterung für die deutsche traditionelle Musik haben und diese voller Spielfreude und Kreativität weitertragen.


Was ist das Jugendfolkorchester?
Das Jugendfolkorchester fand erstmals im Jahr 2024 statt. Seitdem bringt es in jährlichen Probencamps junge Musiker*innen zusammen, um Folk- und traditionelle Musik aus dem deutschsprachigen Raum in einem großen Ensemble kennenzulernen, weiterzuentwickeln und öffentlich zu präsentieren. Bis zu 40 Teilnehmende im Alter von 12 bis 27 Jahren arbeiten dabei in zwei altersbezogenen Ensembles. Die Ergebnisse werden beim Rudolstadt-Festival einem großen Publikum vorgestellt und durch Mitschnitte sowie Rundfunkbeiträge begleitet (Mitschnitte/Sondersendungen in MDR, WDR und DLF, siehe Presse).
Die Anleitung des Orchesters erfolgt durch ein Team von professionellen Musiker*innen, je zwei Dozent*innen m/w für ein jüngeres und ein älteres Ensemble. Gearbeitet wird zu gleichen Teilen in diesen Teilensembles und als gesamtes Orchester. Zusätzlich begleitet ein pädagogisches Team die Probenwoche. Dachverband und Organisator des Jugendfolkorchesters ist Profolk e.V.
Jedes Jahr erhalten wir Bewerbungen von Musiker*innen aus ganz Deutschland (Jede Postleitzahl-Startziffer ist vertreten!) und es hat sich eine großartige Besetzung mit diverser Instrumentierung von Dudelsack bis Kontrabass ergeben.
Wir arbeiten stetig daran, das JFO zu einer festen Institution werden zu lassen, die nachhaltig die Entwicklung von jungen Folkmusiker*innen fördert. Das Jugendfolkorchester wird wissenschaftlich begleitet von Studierenden der Uni Hildesheim.
Warum ein Jugendfolkorchester?
Es gibt einen reichen Schatz an Liedern und Tanzmusik aus dem deutschsprachigen Raum – traditionell weitergegeben von Generation zu Generation, heute jedoch oft nur noch in Archiven zu finden. Diese Musik behandelt universelle Themen wie die Jahreszeiten, Feste, Liebe, Krieg und Auswanderung und bildet damit einen wichtigen Teil des immateriellen Kulturerbes. Manche dieser Lieder wurden bekanntlich in der NS-Zeit für politische und Propagandazwecke missbraucht, was den Umgang damit für die kommenden Generationen erheblich überschattet hat. Die Darstellung von Volksmusik in den Medien als „Heile-Welt”-Idyll mit Schlagertexten macht den Umgang ebenfalls nicht einfacher.
Dabei bietet die traditionelle Musik ideale Grundvoraussetzungen für ein Gemeinschaftserlebnis, da hier besonders das Zusammenspiel im Fokus steht. Sie lebt davon, dass Menschen sie spielen, weiterentwickeln und an die nächste Generation weitergeben. Als eigenständige Kunst- und Musikform prägt sie die kulturelle Identität Europas. Dennoch ist sie im deutschen Fördersystem bis heute unterrepräsentiert. Während es selbstverständlich ist, Nachwuchsförderung für klassische Musik, Jazz und Rock-Pop durch bundesweite Auswahlorchester systematisch zu betreiben, fehlte für die traditionelle Musik/Folk bislang ein vergleichbares Angebot.
Das Jugendfolkorchester schließt diese Lücke. Es begreift kulturelles Erbe als lebendige Praxis, die junge Menschen aktiv mitgestalten, indem sie Verantwortung dafür übernehmen. Unser Ziel ist es, dass Folk und traditionelle Musik künftig ebenso selbstverständlich als Teil der musikalischen Spitzenförderung wahrgenommen wird wie Klassik, Jazz oder Rock-Pop.
Unsere Arbeitsweise
Das Jugendfolkorchester verbindet hohe künstlerische Ansprüche mit einer konsequent partizipativen Arbeitsweise. Vier Prinzipien prägen unsere Arbeit:
Lernen nach Gehör
Melodien und Stimmen werden vorwiegend nicht über Noten, sondern über nach Gehör bzw. Aufnahmen vermittelt – so, wie traditionelle Musik seit jeher weitergegeben wurde.
Ensemble ohne Dirigat
Statt bei einer Dirigent*in liegt die Verantwortung für Tempo, Dynamik und Zusammenspiel in der kollektiven Verantwortung aller Musiker*innen.
Gemeinsames Arrangieren
Anstatt fertige Arrangements vorgesetzt zu bekommen, haben alle Musiker*innen die Möglichkeit, Ideen einzubringen und die Musik mitzugestalten.
Instrumentale Vielfalt
Es begegnen sich Instrumente und Spielweisen, die in klassischen Orchestern keinen selbstverständlichen Platz haben: Drehleier, Nyckelharpa, Dudelsäcke, Blockflöten oder Akkordeon.
Kreativität braucht einen geschützten Raum. Deshalb trennt das Jugendfolkorchester bewusst die Aufgaben des musikalischen Leitungsteams von einem eigenständigen pädagogischen Betreuungsteam.
Teilnehmende finden dort unabhängige Ansprechpersonen für persönliche Anliegen, Konflikte oder Unsicherheiten – auf Wunsch auch anonymisiert. Diese Struktur stärkt Vertrauen, ermöglicht echte Mitgestaltung und schafft die Grundlage für gemeinsames Lernen.
Mitmachen
Werde Teil des Jugendfolkorchesters! Die Bewerbungsphase läuft vom 1.10. bis 30.11. – Infos zu Voraussetzungen und Ablauf gibt’s auf der Teilnehmen-Seite.
Du möchtest das Projekt unterstützen, statt selbst mitzuspielen?
